Crowdworker können Arbeitnehmer sein

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat den rechtlichen Status von sogenannten „Crowdworkern“ geklärt. Bisher war unklar, ob es sich bei digitalen Freelancern um Arbeitnehmer oder freie Mitarbeiter handelt. Geklagt hatte ein Mann, der für Crowdsourcing-Unternehmen Aufträge von dessen Kunden nach eigener Entscheidung abarbeitet und der nun gekündigt worden war. Grundlage der Zusammenarbeit war hierbei eine „Basis-Vereinbarung“, in der zwar ein bestimmtes Auftragsvolumen nicht vereinbart war, aber den Rahmen für die Abrechnung von übernommenen Aufträgen abgesteckt war.

Während das ArbG und LAG München eine selbständige Tätigkeit annahmen, da der Mann weder weisungsgebunden noch in die betriebliche Organisation der Beklagten eingebunden sei, beschied der Neunte Senat des BAG nun, daß der Mann im Zeitpunkt der Kündigung in einem Arbeitsverhältnis mit dem Crowdsourcing-Unternehmen stand. „Für ein Arbeitsverhältnis spricht es, wenn der Auftraggeber die Zusammenarbeit (…) so steuern kann, daß der Auftragnehmer infolge dessen seine Tätigkeit nach Ort, Zeit und Inhalt nicht frei gestalten kann“, so das BAG.

Der Kläger sei weisungsgebunden und fremdbestimmt tätig gewesen. Zusammenfassend kam das BAG daher zu dem Schluß, es habe sich um eine abhängige Beschäftigung gehandelt. Somit sei die übliche Vergütung nach § 612 Abs. 2 BGB geschuldet.

BAG, Urteil vom 1. Dezember 2020, Az. 9 AZR 102/20