Familienrecht

Sich zu finden, fällt vielen leicht. Sich in Würde zu trennen, fällt zunehmend vielen schwer. Sind aus einer Ehe oder Lebensgemeinschaft Kinder hervorgegangen, so sind in Trennungssituationen dann zumeist die Kinder die Leidtragenden.

Das Wohl der Kinder ist jedoch der Maßstab jeglichen Handelns nach einer Trennung. Viele vergessen im Eindruck der Trennungssituation und angesichts aufkommender Egoismen sich und ihre Gemeinsamkeit, die Kinder, sehr schnell. Externe Hilfe ist meist schwer zu finden, Mediatoren Mangelware oder fachlich nicht kompetent. Die Familiengerichte verschließen die Augen und entziehen sich ihrer Verantwortung. Insbesondere in Berlin besteht die Tendenz, Familien „Wechselmodelle“ aufzubürden, die von den Betroffenen zumeist aus vernünftigen Gründen zum Wohl der Kinder nicht mitgetragen werden. Die Kinder werden so zum Spielball der Emotionen und sind der Willkür der Familiengerichte, die selbst mit der Situation heillos überfordert sind, schutzlos ausgeliefert. Hier steht plötzlich die „faire Aufteilung“ der Kinder und nicht das Kindeswohl im Vordergrund – so als ob es sich bei den Kindern um Sachen handeln würde, die man zwischen Eltern nach den gleichen Maßstäben wie im Falle des Hausrats aufteilen könnte…

Wir konzentrieren uns auf die Beratung in derartigen Konfliktsituationen und führen die komplex-lösungsorientierte Mediation (KLM) in den Streitfall ein. Die Vertretung in Familiensachen gehört selbstverständlich dazu.

Praktische Hilfen und Entscheidungen, die JETZT erforderlich sind, um von einem Tag zum nächsten Tag zu kommen, werden gemeinsam erarbeitet. So wird das Leben wieder gestaltbar und als beeinflußbar erfahren. Und die Kinder erleben, wie Elternteile sich – und damit auch die Kinder selbst – aktiv und einvernehmlich aus der Familienkrise lösen.

 

OLG Koblenz: Belastendes Wechselmodell für Kinder

Das Oberlandesgericht Koblenz hat in einem familienrechtlichen Umgangsverfahren entschieden, daß ein sogenanntes Betreuungs-Wechselmodell die Bereitschaft und Fähigkeit der Eltern voraussetzt, miteinander zu kooperieren und zu kommunizieren. Das Modell ist mit dem Kindeswohl nicht vereinbar, wenn das Kind durch den ständigen Wechsel belastet wird und es keine Stabilität erfahren kann.

Leitsätze des Senats:

1. Ein Betreuungs-Wechselmodell setzt die Bereitschaft und Fähigkeit der Eltern voraus, miteinander zu kooperieren und zu kommunizieren. Gegen den Willen eines Elternteils kann ein Betreuungs-Wechselmodell nicht familiengerichtlich angeordnet werden.

2. Ein Betreuungs-Wechselmodell ist mit dem Kindeswohl nicht vereinbar, wenn das Kind durch den ständigen Wechsel belastet wird und keine Stabilität erfahren kann.

Oberlandesgericht Koblenz, Beschluss vom 12. Januar 2010

Aktenzeichen: 11 UF 251/09

Quelle: Pressetext OLG Koblenz